Leben und Handel auf dem Plateau Das Handwerkerviertel

Zur Blütezeit der Heuneburg standen auf dem Plateau im Schutz der Befestigungsmauer Häuserzeilen an einem sich winklig schneidenden Wegenetz. Diese Häuserzeilen setzten sich nachweislich aus sich abwechselnden Werkstätten, Wohn- und Speicherbauten zusammen.

Heuneburg – Stadt Pyrene, rekonstruierte Gebäude des Handwerkerviertels

Ursprünglich waren es Häuserzeilen dicht an dicht.

Die Blütezeit der Heuneburg

Der keltische Fürstensitz wurde um 600 vor Christus völlig neu strukturiert. Um den Burgberg, das Plateau, errichtete man eine nördlich der Alpen vollkommen singuläre und einzigartige Befestigungsmauer mit Sockel aus Stein und Aufbau aus luftgetrockneten Lehmziegeln, die die ältere Holz-Erde-Mauer ersetzte. Etwa zur selben Zeit veränderte sich auch die innere Bebauung auf dem Burgberg. Es entstand eine städtische Bebauung mit in Reihen angeordneten relativ kleinen Häusern, die bis unmittelbar an die Festungsmauer heranreichten.

Heuneburg – Stadt Pyrene, rekonstruierte Lehmziegelmauer

Die Häuserzeilen reichten bis dicht an die Mauer.

Auf authentischen Grundrissen rekonstruiert

Diese als Pfosten- Block- oder Schwellriegelbauten gleichförmig errichtetet Häuser dienten als Wohn- und Wirtschaftsbauten und zum Teil auch als Werkstätten. Zur Veranschaulichung dieser Bebauung wurden auf dem Plateau unmittelbar hinter der Lehmziegelmauer auf authentischen Grundrissen und in authentischer Anordnung verschiedene Lehm-Fachwerk- und Holzhütten rekonstruiert. Es finden sich hier heute unter anderen ein Wohnhaus, ein Speicher und eine Töpferwerkstatt.

Heuneburg – Stadt Pyrene, rekonstruierte Wohnhaus des Handwerkerviertels

Das rekonstruierte Wohnhaus.

Das Wohnhaus

Eines der nachgebauten Gebäude diente wahrscheinlich als Wohnhaus. Ein Mittelpfosten auf der Schmalseite des Hauses zeigt an, dass es sich bei diesem Gebäude um ein einschiffiges Firstsäulenhaus handelte. Eine zweite Firstsäule innerhalb des Hauses gibt den Hinweis auf eine Zweiteilung des Innenraums. Die Wohnhäuser waren oft mit ein oder zwei Herdstellen ausgestattet.

Heuneburg – Stadt Pyrene, rekonstruierte Speicher des Handwerkerviertels

Der rekonstruierte Speicher.

Der Speicher

Zwischen den größeren Gebäuden befanden sich auf dem gesamten Plateaux mehrere kleinere Bauten. Die Größe der Eckpfosten weist auf eine Bauweise mit einer vom Boden abgehobenen Plattform hin. Mit solchen Pfostenspeicherbauten wollte man es offensichtlich Nagetieren nicht so leichtmachen, an die dort gelagerten Vorräte zu gelangen. Welche Lebensmittel in diesen Speichern lagerten, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Man weiß jedoch von verschiedenen Getreide-und Hülsenfrüchten. Die Produkte kamen auf jeden Fall von außerhalb der Heuneburg, denn landwirtschaftliche Fläche gab es auf dem Plateaux keine.

Die rekonstruierte Werkstatt.

Die Werkstätten

Im Handwerkerviertel wurde alles hergestellt, was die Bewohner zum Leben und zum Handeln brauchten: Kleidung und Schmuck, Dolche und Pfeilspitzen, Alltagsgegenstände und Pferdegeschirr. Die wertvollen Materialien wurden mit ausgeklügelter Technik verarbeitet. Zahlreiche Funde belegen die unglaublich differenzierte Fertigkeit der Handwerker. Große Ofenanlagen in den Werkstätten dienten der spezialisierten Metallverarbeitung. Unklar ist jedoch, woher die verwendeten Materialien stammten.

Veranschaulichung der Töpferwerkstatt und des Rennofens.