Verarbeitung kostbarer Rohstoffe Handelswaren

Im Handwerkerviertel auf der Heuneburg wurde alles hergestellt, was die Bewohner zum Leben und zum Handeln brauchten: Kleidung und Schmuck, Dolche und Pfeilspitzen, Alltagsgegenstände und Pferdegeschirr. Die wertvollen Materialien wurden mit ausgeklügelter Technik verarbeitet.

FLORIERENDES GEWERBE

Im Südosten des Plateaus vermuteten die Archäologen zunächst den Wohnsitz des Burgherrn. Dann entdeckten sie die Bebauung eines Handwerkerviertels aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Zahlreiche Funde belegen die unglaublich differenzierte Fertigkeit, ganz unterschiedliche Alltagsgegenstände und wertvolle Objekte für den Handel herzustellen. Große Ofenanlagen in den Werkstätten dienten der spezialisierten Metallverarbeitung.

Rekonstruktion in einem der Wohnhäuser, hier ein Webstuhl und Keramik.

KOSTBARE ROHSTOFFE UND MATERIALIEN

Materialien wie Textilien, Ton, Knochen, Geweih, Bernstein, Ölschiefer, Eisen, Bronze, Edelmetalle und Koralle wurden von weither importiert. Daraus stellten die Handwerker Waffen, Werkzeuge, Gefäße und Schmuck her, aber auch Alltagsgegenstände wie Kessel und Geschirr. Handspindeln, Webgewichte sowie Hinweise auf Webstühle belegen das Textilhandwerk. Die Qualität und Fülle der Funde aus dem Handwerkerviertel spiegelt den Wohlstand des Handelszentrums und seiner Bewohner wider.

Heuneburg, Luftaufnahme

Rekonstruktion der Heuneburg bei Herbertingen an der Donau.

WARENÜBERSCHUSS ALS HANDELSGUT

Die Kelten betrieben einen schwunghaften Handel mit Zinn und baltischem Bernstein. Ihnen blieb nicht lange das Interesse der römischen Nachbarn an den beiden Gütern verborgen. Die Kelten wollten leichter an die begehrten Güter aus dem Süden gelangen, aber auch fremde Händler auf die Heuneburg locken. Dabei gingen sie taktisch klug vor: Mit der Donaustraße schufen sie die Verbindung von West- und Ostpassage. Über den Fluss handelten sie mit Gold, Korallen, Naturglas und Kupfer aus Österreich.

Herbertingen, Bettelbühlnekropole nahe der Heuneburg, Grabbeigaben der Keltenfürstin.

Schmuck aus dem Grabfund der „Keltenfürstin von Herbertingen“.

ETRUSKISCHER SCHMUCK FÜR DIE KELTENFÜRSTIN

Der Bernstein aus dem Baltikum war als Handelsware, aber auch für die Schmuckherstellung beliebt. In der Grabkammer der „Keltenfürstin von Herbertingen“ fand man Perlen aus dem goldenen Baumharz und Gold sowie Bronzefiebeln. Die ungewöhnlichen Ornamente der Perlen ordneten die Archäologinnen und Archäologen etruskischen Goldschmieden zu: Diese lebten von 800 v. Chr. bis in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. in einem Gebiet, das heute die Regionen Toskana, Umbrien und Latium umfasst.

Herbertingen, Beigaben aus dem Fürstinnengrab der Bettelbühlnekropole nahe der Heuneburg

Die feinen Ornamente brachten Handwerker aus dem Mittelmeerraum mit.

DER EINFLUSS MEDITERRANER TECHNIKEN

Der wirtschaftliche Aufschwung im Donautal zog spezialisierte Handwerker und Händler unter anderem aus dem mediterranen Raum auf die Heuneburg. Baumeister, Bronzegießer sowie Goldschmiede brachten neueste Techniken und Moden wie innovative Zirkelornamente und Kreisbogenverzierungen mit und sorgten für die Verbreitung. Archäologinnen und Archäologen erforschen die Techniken der Keltenzeit ‒ und vermitteln ihre Ergebnisse regelmäßig in Vorträgen und Workshops auf der Heuneburg.

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